Sitzung der Tarifkommission Nordrhein vom 16.04.2018

"Echter Wunsch nach Entlastung"

23.04.2018
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Vor allem die deutliche Erhöhung des zusätzlichen Urlaubsgeldes als Teil der Forderungsempfehlung kommt in den Betrieben im IG-BCE-Bezirk Nordrhein gut an. Das wurde bei der Tarifkommissionssitzung am Montag in Düsseldorf deutlich. Denn davon profitieren insbesondere die unteren Einkommensschichten.

Aus drei Hauptkomponenten besteht die Empfehlung des Hauptvorstandes für die kommenden Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie: Eine Entgelterhöhung von sechs Prozent, ein deutliches Plus beim zusätzlichen Urlaubsgeld und eine zukunftsorientierte Weiterentwicklung der Arbeitsbedingungen. Die Tarifkommission Nordrhein diskutierte die Empfehlung, die unter dem Motto steht: „Weil du es wert bist“

Einigkeit herrschte bei den Anwesenden darüber, dass die Arbeitsverdichtung für die Beschäftigten in der chemischen Industrie eine der größten Herausforderung der Zukunft ist. Steigende Arbeitsbelastungen, rasant wachsende technologische Veränderungen und ständige Erreichbarkeit: „Da gibt es einen echten Wunsch nach Entlastung“, betonte Landesbezirksleiter Frank Löllgen. Deshalb sei der dritte Punkt der Forderungsempfehlung so wichtig.

Es sollen Arbeitsbedingungen und Arbeitszeitsysteme entwickelt werden, die den Beschäftigten mehr Zeitsouveränität geben. „Hier ist eine klare Personalbemessung notwendig“, so Löllgen insbesondere mit Blick auf Schichtarbeit und Demografie. Denn die jüngeren Generationen haben ein anderes Verständnis von Freizeit und Arbeitszeit, die Work-Life-Balance wird wichtiger. Deswegen müssen auch Modelle entwickelt werden, um Schichtarbeit attraktiver zu gestalten und so Fachkräfte zu halten. Löllgen unterstrich außerdem: „Entlastung bei den einen, zum Beispiel im Rahmen von Altersteilzeit, darf nicht zu Belastung bei den anderen führen.“

Die günstigen volkswirtschaftlichen Rahmenbedingungen stützen die IG-BCE-Forderung: Laut dem ifo Geschäftsklima-Index ist die weltweite wirtschaftliche Entwicklung positiv, die Investitionsquote steigt, und auf dem Arbeitsmarkt gibt es seit zwölf Jahren eine positive Entwicklung. Auch die Umfrage von Betriebsräten zeigt, dass die Lage in den Betrieben weitestgehend gut ist. „Knapp 80 Prozent gaben an, dass die wirtschaftliche Lage des Betriebs in 2017 gut bis sehr gut war. Nur fünf Prozent schätzten sie als schlecht oder sehr schlecht ein“, so Christian Jungvogel, Abteilungsleiter Tarifpolitik bei der IG BCE.

Verfasser:  Isabel Niesmann

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