Tarifevent am Chempark Dormagen

Beschäftigte setzen ein Zeichen für mehr Entlastung

Am 8. Oktober veranstaltete die IG BCE Köln-Bonn im Rahmen der aktuellen Chemietarifrunde ein Tarifevent am Chempark in Dormagen. Trotz regnerischem Wetter kamen insgesamt rund 700 Beschäftigte, um sich mit dem Bundesverhandlungsführer für die Chemische Industrie und stellv. Vorsitzenden der IG BCE, Ralf Sikorski, auszutauschen und Aktuelles aus der Tarifrunde zu erfahren. Besonders wichtig für die Teilnehmenden war dabei das Thema Entlastung.

Sebastian Jarych

Tarifevent am Chempark Dormagen

Tarifrunde Chemie: Beschäftigte gehen vors Tor

Yunis Duran, Betriebsrat bei Currenta in Dormagen, hat eine klare Botschaft: „Wir werden die Arbeitgeber treiben.“ Er und viele seiner Kolleginnen und Kollegen haben sich vor dem Werkstor versammelt, insgesamt sind 700 Beschäftigte aus den Unternehmen im Chempark Dormagen zusammengekommen. Sie beteiligen sich an einer Tarifaktion der IG BCE zu der gerade angelaufenen Tarifrunde in der Chemieindustrie. Die Stimmung ist gut, trotz des regnerischen Wetters. Beschäftigte haben Trillerpfeifen und Fahnen dabei, die Redner erhalten viel Applaus.

„Es macht Spaß, hier zu sein“, sagt Ralf Sikorski, stellvertretender Vorsitzender der IG BCE und oberster Tarifpolitiker der Gewerkschaft. Es nehme die Stimmung mit und trage sie auch in die Verhandlungen mit den Arbeitgebern. „Ich weiß, dass die Kolleginnen und Kollegen in unseren Betrieben durch die wachsenden Anforderungen stark belastet sind“, erklärt Sikorski und begründet der steigenden Arbeitsbelastung auch die Forderungen der IG BCE.   

Sebastian Jarych

Tarifevent am Chempark Dormagen

Im Mittelpunkt steht in der diesjährigen Tarifrunde das Thema Arbeitszeit: Die Gewerkschaft verlangt ein tariflich abgesichertes persönliches Zukunftskonto für jeden einzelnen Beschäftigten. Darauf soll der Arbeitgeber 1000 Euro einzahlen. Über das Konto sollen die Beschäftigten persönlich verfügen können und es zum Beispiel für freie Schichten oder für kürzere Arbeitszeiten verwenden können. Mit dem Konto könnten sie aber auch für eine längere Auszeit, also ein Sabbatical, ansparen. „Mit dieser Forderung gehen wir neue Wege in der Tarifpolitik“, betont Sikorski. Daneben fordert die IG BCE mehr Geld, mehr Qualifizierung und eine betriebliche Pflegezusatzversicherung.

Bei den Beschäftigten kommen diese Forderungen gut an, insbesondere jene nach mehr individueller Gestaltung der Arbeitszeit. Auf der Veranstaltung in Dormagen wird deutlich: Die Kolleginnen und Kollegen verlangen Entlastung. Das stellen sie auch symbolisch dar, in Form eines Flash-Mobs. Sie stellten sich zu einer Uhr auf, deren Zeiger auf fünf vor zwölf stehen, gleichzeitig  zeigten sie demonstrativ auf ihre Armbanduhr – es ist höchste Zeit für Entlastung, sollte die Aktion verdeutlichen.

Markus Abdalla, Vorsitzender der Gesamt-Jugend- und Auszubildendenvertretung bei Covestro, findet die Forderung richtig, denn er sieht angesichts des demographischen Wandels auf die jungen Beschäftigten noch mehr Belastung zukommen. „Viele ältere Kolleginnen und Kollegen gehen in den kommenden Jahren in Ruhestand“, erklärt er. „Wir müssen jetzt schon vorsorgen, dass die Arbeitsverdichtung für die nachwachsenden jüngeren Beschäftigten in unseren Betrieben nicht noch größer wird.“ Zumal es an Fachkräften mangele und die Unternehmen im Konkurrenzkampf um gut ausgebildete Facharbeiterinnen und Facharbeiter attraktive Arbeitsbedingungen bieten müssten. Die Forderung nach einem Zukunftskonto sei deshalb eine gute Lösung für die Zukunft der chemischen Industrie. Und die Tarifveranstaltung in Dormagen „hat mir eindrucksvoll gezeigt, dass die Beschäftigten hinter der Forderung der IG BCE stehen“.

Sebastian Jarych

Tarifevent am Chempark Dormagen

Die IG BCE Nordrhein plant weitere Tarif-Aktionen, unter anderem Schichtbegehungen in rund 80 Betrieben, außerdem politische Mittagspausen oder auch größere Tarif-Kundgebungen. Beim Reifenhersteller Continental in Aachen zum Beispiel werden die Beschäftigten am 14. November zeigen, was sie von der Gewerkschaftsforderung halten. „Die Stimmung ist überall im Landesbezirk eindeutig“, erklärt Tarifsekretär Andreas Jansen, „es wird Zeit für mehr Selbstbestimmung in der Arbeitswelt.“ 

Sebastian Jarych

Tarifevent am Chempark Dormagen

 

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